Deckel schon bezahlt?

Der „Ideologiekritische Stammtisch“

Donnerstag, 29.03.2018 ab 19 Uhr

„Wir müssen mal über “Nationalsozialismus“ und “Faschismus“ reden…“

Begriffe wie „Faschist“, „Faschistisch“, „Faschistoid“, „Nazi“ scheinen immer beliebiger zu werden, oder waren sie als Fremdbezeichnungen nicht immerschon umstrittene Kampfbegriffe?

Da gab es mal eine Mauer in Berlin die als „antifaschistischer Schutzwall“ galt und mit der DDR sogar einen „antifaschistischen Staat“, Josef Stalin galt die gesamte Sozialdemokratie als „Sozialfaschismus“ und jedweder, besonders linker, Sezessionismus von der UDSSR als „Sozial Nationalismus“.In Deutschland und Italien hingegen galten den (Sozial-) Demokraten der Stalinismus und die KPD als „Rotfaschistisch“. Faschisten sind offenbar fast alle, vor allem aber immer die Anderen.

In den letzten Jahrzehnten ist von „islamischem Klerikalfaschismus“ die Rede und ein Recep Tayyip Erdo?an wird als „Islamfaschist“ eingeordnet.Die AFD und andere rechte Parteien in Europa werden als „Faschistisch“ bezeichnet ebenso wie Wladimir Putin, Donald Trump oder Bashar El Assad „Faschisten“ genannt werden.

Evtl. hilft ein Blick auf die historische Genese des Nationalsozialismus und Faschismus weiter? Die Wurzeln des deutschen „Nationalen Sozialismus“ reichen zurück bis zu Bismarcks Sozialgesetzen und ehemaligen deutschen Linkshegelianern mit denen sich schon Karl Marx u.a. in seiner „Deutschen Ideologie“ auseinandergesetzt hat.Andere Wurzeln eines „protofaschismus“ werden bereits im Jabobinertum, während der französischen Revolution attestiert.Tatsächlich werfen vor allem Konservative Kreise gerne ein ,dass Nationalsozialismus/Faschismus doch eigentlich eher „Links“ seien.Teile der späteren NSDAP wurzelten tatsächlich in der sudetendeutschen Sozialdemokratie und der italienische Fachismus und spanisch-französische Faschismus und Falangismus gingen zumindest zum Teil auf Strömungen der Syndikalistischen/Gewerkschaftlichen, teils sogar anarchistischen, Bewegungen zurück welche „Die Nation“ für sich entdeckt hatten. Trotzdem entwickelten sich faschistische Staaten die langlebiger waren, wie Spanien unter dem Franco-faschismus oder Chile unter Pinochet, zu relativ wirtschaftsliberalen Systemen.

Die Idee eines „dritten Weges“ zwischen Kommunismus und demokratischem Liberalismus, verschieden vom traditionellen Konservatismus und Nationalismus der älteren, monarchistischen, Prägung, ist bis heute zentrales Element zumindest jener Gruppen und Parteien die sich selbst immernoch auf den historischen faschismus/Nationalsozialismus beziehen.

Natürlich sind all diese Einwürfe suggestiv, dürften aber zu einer interessanten Diskussion beitragen und das Thema „Querfront“ wird nicht zu vernachlässigen sein …